Theologie geschlechterbewusst - kontextuell neu denken

Der Begriff "Theologie geschlechterbewusst" bezeichnet einen Perspektivwechsel: Menschen aller Geschlechter treten miteinander in den Dialog über die jeweiligen Zugänge zu Theologie und Kirche. Es geht nicht einfach um eine Weiterentwicklung der feministischen Theologie, sondern um die Erkenntnis, dass sich theologische Geschlechterforschung zu biblischen, historischen und theologischen Traditionen längst nicht mehr eindeutig verorten lässt. Queer-Theologie, theologische Männerforschung und weitere Ansätze lassen die Grenzen verschwimmen und bieten Anreiz zum Weiterdenken. Die Geschlechterfrage wird zur Querschnittsaufgabe der Theologie. Die Schlüsselfrage lautet, was Theologie beitragen kann, um Ungerechtigkeiten, die mit dem Geschlecht korrelieren, sichtbar zu machen und zu überwinden. Eine hochaktuelle Herausfoderung - nicht nur für die akademische Wissenschaft, sondern auch für die Menschen an  der Basis.

Seit 2015 wird von den landeskirchlichen Frauenarbeiten bundesweit der neue EKD-weite Fernstudiengang "Fernstudium Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken" angeboten.

Haben Sie Fragen? Interessiert? Ansprechpartnerin: Dr. Andrea König, Mail:

Start: Geschlechterbewusste Theologien für die 2020er

Die Frauenarbeit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) starten 2021 das Fernstudium "Theologie geschlechterbewusst". Die Eröffnungsveranstaltung findet am Samstag, den 23. Januar 2021 statt. Den Eröffnungsvortrag hält Prof. Dr. Ulrike E Auga, die den Studiengang leitet. Es besteht die Vereinbarung, dass interessierte Frauen aus Bayern sich zu Vorträgen online zuschalten können. Wer Interesse hat, kann sich über das forum frauen melden. Mail an:

Vortrag Prof. Dr. Ulrike E. Auga "Rechtspopulismus, Religion und Geschlecht", Samstag 23.01.2021, 18-21.00 Uhr

Vortrag Dr. Dr. Schwester Teresa Forcades i Villa "Körper, Begehren und Identität. Überlegungen zum Begriff des κόλπος, angewandt auf den Vater und den Sohn", Freitag, 12.03.2021, 19-21.00 Uhr

Vortrag Prof. Dr. Martin Leutzsch "Prophetin und Apostelin, Jesus die Sklavin, Paulus die Amme... Genderdimensionen der Bibel, geschlechterbewusste Erfahrungen mit der Bibel", 11.06.2021, 19-21.00 Uhr

Fernstudienkurs Theologie geschlechterbewusst 2016-2018

Das neue Fernstudium "Theologie geschlechterbewusst" wurde in Bayern erstmals 2016-2018 durchgeführt. Die Teilnehmerinnen schlossen erfolgreich mit einem Zertifikat ab. Während des Zeitraums wechselten sich gemeinsame Präsenzwochenenden mit individuellen Lernphasen ab, die durch Lerngruppen und zentrale Beratung begleitet wurden. Die Teilnehmerinnengruppe hätte unterschiedlicher nicht sein können: Von 30 bis über 70 reichte das Alter, von der ehrenamtlich Engagierten bis zur Ingenieurin das Spektrum, manche mit Vorkenntnissen, andere ohne Vorwissen, aber mit ausgeprägter Neugier. "Ich wollte mich immer schon mal intensiver mit den Grundlagen des Glaubens auseinandersetzen", beschrieb eine Teilnehmerin ihre Motivation, "aber so habe ich das vorher wirklich noch nie betrachtet. Das hat schon einiges auf den Kopf gestellt." Gewohntes hinterfragen, den eigenen Horizont erweitern und zu einer theologischen Sprache finden, diese Erfahrungen machten die Absolventinnen. 

Lesen Sie hier einen Bericht in: Zeitschrift "forum erwachsenenbildung" (02/2018)

Informationen zum Fernstudium Theologie geschlechterbewusst

Fernstudium Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken heißt der neue EKD-weite Fernstudiengang. Entwickelt wurde er von den Evangelischen Frauen in Deutschland e.V. (EFiD) in Kooperation mit dem Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie und der Evangelischen Arbeitsstelle Fernstudium des Comenius-Institutes.

Der Studiengang umfasst 7 Studieneinheiten.

Modul: Aufbrüche - Kontexte - Grundlagen

Das erste Modul führt in die Grundlagen geschlechterbewusster Theologien ein. Dabei wird u.a. die Entwicklung von der feministischen zur geschlechterbewussten Theologie nachvollzogen und es werden aktuelle Gender-Theorien beleuchtet. Entstehung, Grundbegriffe und grunudlegende theologische Themenfelder sind die zentralen Inhalte dieser ersten Einheit.

Modul: Bibel

Das zweite Modul eröffnet neue Zugänge zur Bibel. Der Studienbrief zeigt die Bibel als Buch im Kontext vieler Stimmen. Beleuchtet werden die verschiedenen Entstehungskontexte der Texte, der Übersetzungen und Rezeptionen.

Modul: Gott

Die gesamte Geschichte der Theologie spiegelt die jahrhundertealte Auseinandersetzung um Sprache und Bilder, die erklären sollen, wie Gott in und mit der Welt ist. Im dritten Modul geht es um Gottesbilder aus geschlechterbewussten Blickwinkeln. Sprachliche Bilder, Metaphern, Namen, Gleichnisse, in denen von Gott geredet wird, stehen im Fokus.

Modul: Christus Jesus

Das Modul trägt den Titel "Christus Jesus" und bezieht sich auf das Bekenntnis: Ich glaube, dass Jesus der Christus ist. Es geht vor allem um Spurensuche, bei der eine Vielzahl von theologischen Deutungen vorgestellt werden. Historische Entwicklungen, Evangelienüberlieferung, kirchliche Lehre bis hin zu aktuellen Deutungen werden nachgezeichnet.

Modul: Kirche

Dieses Modul behandelt die Ekklesiologie, die Lehre von der Kirche. Dabei ist weniger die Institution gemeint als vielmehr die theologische Grundlegung von Kirche. Woher kommt Kirche, wie ist sie geworden und wie kann Kirche in der Welt sein?

Modul: Spiritualität

Spiritualität ist ein schillernder Begriff, der mittlerweile Anwendung in der Wirtschaft, im Management und in zahlreichen Therapien findet. Mit dem Boom des Begriffs ist verbunden, dass der Rückzug auf das Göttliche in den Hintergrund gerät. Das Modul hilft bei der Orientierung im weiten Feld der Spiritualität.

Modul: Ethik

Woher wissen wir, was gut ist? Wie entscheiden wir, was richtig oder falsch ist? Die Reflexion darüber, was gut und richtig ist, ist Gegenstand der Ethik. Es geht um Werte, die moralischen Grundlagen unseres Handelns, und um Normen, die Rahmenbedingungen unseres Handelns. Das Modul stellt die Ethik in ihrer ganzen Vielschichtigkeit vor.